Auftakt zu den 9. Zugvogeltagen des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer

PREMIERE "ZUGVOGELMUSIK" AM 27. AUGUST 2017 war ein riesenerfolg. FOTOS Hier.

9 KÜNSTLER AUS 9 NATIONEN SaNGEN in 9 Sprachen LIEDER, die ein Zugvogel aus ihrem Land im Sommer mit in den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer bringt.

Am 27. August 2017 kam unsere Zugvogelmusik auf die Bühne des Oldenburgischen Staatstheaters und kündigte unter Begeisterungsstürmen des Publikums die 9. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer 2017 (14. bis 22. Oktober 2017) an.

In einem fast 3stündigen Programm gab es exemplarisch Lieder in 9 Sprachen zu hören, die die jährlich in die Region strömenden Zugvögel aus ihren Überwinterungsgebieten mitbringen, vorgetragen von Künstlerinnen und Künstlern aus diesen Gegenden. Sprachlich ging es dabei genauso bunt zur Sache wie in den Brutgebieten im Watt. Auf der Bühne war Musik aus Frankreich zu hören, aus Island (Partnerland der 9. Zugvogeltage), Kamerun, Kongo, Marokko, Portugal, der Republik Côte d’Ivoire, Russland und natürlich auch aus der Gastgeberstadt Oldenburg. Die Künstler leben und arbeiten zum Teil in diesen Ländern, zum Teil leben sie aber auch in Deutschland. Was sie alle eint: sie pflegen ihre Heimatkultur wo auch immer sie sind, sie zeigen Heimatverbundenheit, fühlen sich dem Zugvogel mit Herz und Seele sehr verbunden und freuen sich auf das Erlebnis der Gemeinsamkeit. Für sie ist Migration vor allem auch ein Urquell für die Entdeckung von Neuem, und das alles direkt vor jeder Haustür.

Das Oldenburgische Staatstheater ist ein vielgelobtes und bundesweit bekanntes Zentrum der oldenburgischen und regionalen Hochkultur. Das 1833 erbaute, wunderschöne Haus mit seiner hervorragenden Akustik bewies sich als der ideale Schauplatz um zu zeigen, dass die aufgeführte Musik und Kultur schon lange Bestandteil der Region ist und dass es Zeit wurde, sich diese Bedeutung zu vergegenwärtigen und auf Entdeckungsreise zu gehen.

Was hat ein Zugvogel mit Musik zu tun? 


Musiker und Zugvögel sind Brüder und Schwestern im Geiste. Beide fliegen regelmäßig aus, verlassen ihr zu Hause und sind – vor allem im Sommer – eher außer Haus zu Hause. Die einen sind dort, wo sie Kraft sammeln und/oder Familienplanung betreiben. Die anderen ziehen umher und spielen auf den Bühnen der Welt, um ihrer Leidenschaft nachzugehen und um ihren Lebensunterhalt für die dunklere Jahreszeit zu sichern. Genau wie der Zugvogel kehren auch Musiker nach ihren Auftritten dorthin zurück, wo sie auf eine andere Art und Weise sinnvoll ihre Zeit verbringen. So oder so ähnlich beschreiben es die meisten der Künstler, die Ende August auf der Bühne des Oldenburgischen Staatstheaters standen.

Und was ist Zugvogelmusik?

Das ist die Musik, die jeder Zugvogel aus seinen Überwinterungsgebieten mitbringt in die niedersächsische Wattenmeerregion. Das sind Lieder, die entlang der ostatlantischen Vogelzugroute an den Stränden gespielt und gehört werden. Das sind aber auch Lieder, die in Oldenburg und umzu entstehen und die vom Zugvogel handeln. Zugvogelmusik kennt keine Sprachbarrieren und auch keine Tonstandards. Zugvogelmusik ist Kamerun genauso wie Sibirien, Portugal oder Ostfriesland.

Was haben die Zugvogeltage mit Zugvogelmusik zu tun?


Die Zugvogeltage werden 2017 zum neunten Mal von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer veranstaltet und sind von Jahr zu Jahr erfolgreicher und stärker wahrgenommen. Sie machen auf das jährlich in der Region stattfindende spektakuläre Naturereignis der Vogelwanderung aufmerksam. Viele der im Frühjahr ankommenden und im Herbst abwandernden Zugvögel sind wahre Ausdauerathleten der Lüfte, Abenteurer, fast schon Hasardeure. Sie nehmen jedes Jahr unglaubliche Strapazen auf sich um dahin zurückzukehren, woher sie kamen, nur um bald wieder neu aufzubrechen. Migration als Selbstverständlichkeit, nicht erst seit gestern, sondern seit Jahrhunderten, kontrolliert und jedes Jahr wieder. Das verdient in heutigen Zeiten zusätzliche Beachtung. Dabei erwähnen wir noch nicht einmal die Artenvielfalt, die hier jährlich die Region verlässt, um im nächsten Jahr wiederzukommen. Wusstet ihr, dass manche Möwen auch zu den Zugvögeln gehören? Seht ihr!

Wir wollen aufmerksam machen, Verständnis und vor allem Neugier wecken. Und das geht nun mal am besten mit dem universalsten Kommunikationsmittel überhaupt: der Musik. Unsere Zugvogelmusik wurde im niedersächsischen Wattenmeer erstmals 2016 bewusst wahrgenommen als wir schlicht und einfach feststellten, dass die Vogelwanderung uns interessierte. Wir haben uns gefragt: Wer kommt denn da überhaupt alles angeflogen, und wen zieht es jedes Jahr wieder zurück in die Gefilde der zweiten Heimat? Wie sieht diese zweite Heimat aus, und: wie klingt sie?

Aus welchen Ländern kommt die Zugvogelmusik 2017?

Das sind die Küstengebiete zwischen der Arktis und Westafrika, in denen die Zugvögel auf ihrem ostatlantischen Zugweg Halt machen – zum Brüten, Überwintern oder Rasten. Dazu gehört auch das niedersächsische Wattenmeer, das für die Zugvögel eine überlebenswichtige Zwischenstation auf ihrem Weg darstellt. Mit ihrem reichhaltigen Nahrungsangebot ist diese Region unverzichtbar für Alpenstrandläufer, Pfuhlschnepfen und andere Zugvögel. Einige von ihnen bleiben sogar den ganzen Winter über hier. Andere überwintern zum Beispiel in Kamerun, Marokko, Portugal, Frankreich, Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste), Island, Kongo und Russland. Und das sind auch die Länder, aus denen 2017 die Künstler der Zugvogelmusik kommen.

 

 

Bilder von oben nach unten: Sandregenpfeifer: Dmitry Yakubovich (wiki commons) / Njamy Sitson: Melanie Stegemann; Maria Carvalho (Trio Fado): Melanie Stegemann / Löffler: Cp9asngf (wiki commons); Heringsmöwe: Henry Bucklow (wiki commons), Youssef Belbachir (La Caravane du Maghreb): Melanie Stegemann; Polynushka: Melanie Stegemann / Pfuhlschnepfe: Dhaval Vargiya (wiki commons); Schneeammer: Fish & Wildlife Assc (wiki commons) / Ragnheiður Gröndal: promo; Illustration Pfuhlschnepfe: Reno Lottmann